Хвала ти пуно за све. Ово је за тебе.
Dieser Sommerabend in der Stadt hatte sich noch nicht ganz entschieden, wie er enden wollte. Die Sonne verweilte über den niedrigen Dächern, schwebte in einem blassen, bernsteinfarbenen Zögern, als wolle sie den Tag nur ungern ausklingen lassen. Das Licht fiel seitlich durch das Laub der Bäume und über Betonfassaden, erwärmte Staub, Blätter und den schwachen Geruch von heißem Asphalt. Die Luft trug diese besondere Sanftheit des Spätsommers in sich. Dick, aber nachsichtig, duftend nach gemähtem Gras, Benzin und etwas leicht Süßem. Von irgendwoher sickerte gedämpfte, rhythmische Musik. Stimmen mischten sich darunter, rau vom Rauchen, gelöst vom Abend, begleitet vom Klirren von Gläsern und dem gelegentlichen Lachen, das sich wie eine Berührung durch die Straßen zog.
Körper bewegten sich langsamer als tagsüber. Schultern glänzten leicht von Schweiß, Hemden klebten an Rücken, Röcke streiften nackte Knie. Duft von Parfüm stand unbeweglich in der Luft. Alles schien näher zusammengerückt: die Häuser, die Menschen, die Gedanken. Ein warmer Hauch strich über die Schatten wie eine absichtsvolle Hand. Er ließ Poren öffnen und Sinne wach werden. Die Stadt atmete schwer, träge und verführerisch, als wüsste sie um ihre Wirkung.
Eine halbe Stunde zuvor saß ich auf dem Rücksitz eines Taxis. Die Stadt zog in Fragmenten an mir vorbei: Balkone mit Wäsche, Kioske, gefüllt mit Zigaretten, Alkohol und Kaugummi. Aus dem Radio drang eine kleine metallische Musik und etwas Serbisches. Ich ließ es über mich hinwegspülen.
Nun befand ich mich in Zemun. Die engen Gassen begrüßten mich flüsternd. Die Luft drückte sich an mich. Warm, atmend, fast neugierig. Sie streifte meine Haut, als würde sie mich erkennen. Es war einer dieser Abende, an denen vieles möglich schien. Ein Abend, an dem Blicke länger hielten als nötig und jeder Schritt das leise Gefühl trug, beobachtet und begehrt zu sein. Es fühlte sich wie ein Versprechen an, das keiner Erklärung bedurfte.
Die Luft war dicht, in Duft von Tabak und geröstetem Kaffee gehüllt, vermischt mit der schwachen Süße des Spätsommers. Ein Café wartete nur wenige Schritte entfernt. Lebendig ohne Hektik, voll ohne Lärm. Tische gab es innen und außen. Sie standen dicht beieinander, überfüllt mit Ellbogen und Tassen. Doch niemand hatte es eilig, etwas zu beenden. In einem gemächlichen Rhythmus kratzten die Stühle träge über den Steinboden. Der Rauch stieg langsam in blauen Schleifen auf, kräuselte und entwirrte sich dann wieder. Die Gespräche wurden eher gemurmelt als gesprochen. Die Stimmen waren leise. Teller mit leichten Mahlzeiten wurden serviert und blieben lange auf den Tischen stehen.
Kaffee stand dunkel und geduldig in dicken Tassen. Dampf stieg auf. Das Bier fing das Licht in goldschimmernden Reflexen ein und schwitzte sanft. Die Zeit wurde hier nicht gemessen. Sie wurde weicher, dehnte sich aus, ließ ohne Widerstand mit sich handeln. Die Gesichter leuchteten unter den Lampen des Cafés, die Augen halb geschlossen, das Lächeln ungeschützt. Die Atmosphäre lehnte sich nah heran. Sie flüsterte durch Lärm und Rauch und lud mich ein. Ich setzte mich an einen Tisch am Rand der Terrasse. Von hier aus öffnete sich der Blick über Zemun hinunter zur Donau. Der Fluss lag breit und ruhig unter dem sinkenden Licht. Seine Oberfläche bewegte sich kaum sichtbar, nur ein langsames Atmen des Wassers verriet die Strömung. Die Luft trug hier eine andere Note. Sie roch nach Wasser, nach Schilf und nassem Holz, nach Bootsstegen, die den ganzen Tag in der Sonne gelegen hatten. Dieser Geruch war alt und ruhig. Er hatte etwas Geduldiges an sich. Die Geduld des Flusses, welcher schon lange hier ruhte, bevor die Stadt sich entschloss, über seine Ufer zu wachsen.
Ein leichter Wind strich vom Wasser herauf. Er kühlte die Haut nur minimal, doch seine Berührung war spürbar. Die Hitze der Stadt und die Feuchtigkeit des Flusses mischten sich zu einer weichen, vibrierenden Luft, die sich um alles legte. Ich sah hinüber zur anderen Seite. Belgrad lag dort auf seinen Hügeln, noch im letzten Licht des Tages. Dächer schimmerten in warmem Orange, während der Himmel langsam dunkler wurde.
Mein Kaffee kam. Die Tasse war schwer und warm in meiner Hand. Der Duft stieg sofort auf. Er war dicht, dunkel, beinahe körperlich. Ich hielt die Tasse einen Moment unter die Nase und atmete ein. Der Geruch hatte etwas Erdiges und Rauchiges. Er erinnerte an etwas Bitteres, das zugleich beruhigend wirkte. Die Hitze des Kaffees breitete sich langsam im Mund aus und mischte sich mit der warmen Luft des Abends. Sein Geschmack blieb lange. Er hatte Tiefe, als wäre er aus denselben dunklen Böden entstanden wie der Fluss, der unten ruhig vorbeizog. Ich ließ die Tasse auf dem Tisch stehen und beobachtete die Menschen.
Am Nachbartisch saßen zwei Frauen. Eine von ihnen hatte ihr Haar hochgesteckt, doch einzelne Strähnen hatten sich bereits gelöst und klebten leicht an ihrem Nacken und auf den Schultern. Ihre Haut glänzte im Licht der Lampen. Sie sprach langsam, ihre Hände bewegten sich ruhig durch die Luft, während sie erzählte. Manchmal lachte sie, lehnte sich zurück. Dann schloss sie für einen Moment die Augen, als würde sie die Worte des Abends selbst auf der Haut spüren. Ein paar Meter weiter stand eine andere Frau am Geländer zur Donau. Ihr langes Kleid bewegte sich leicht im Wind vom Wasser. Sie sah lange auf den Fluss hinaus. Ihre Haltung war gelassen. Die Gespräche im Café flossen weiter um mich herum. Stimmen, Gläser, Schritte, ein gelegentliches Lachen. Alles bewegte sich in diesem ruhigen Rhythmus des Sommers.
Meine Tasse leerte sich. Die Sonne war inzwischen tiefer gesunken, und das Licht über der Donau wurde rötlich und weich. Der Himmel nahm langsam ein dunkleres Blau an. Einige dunklere Wolken hatten sich am Horizont gesammelt. Die Stadt gegenüber begann zu leuchten. Ich blieb noch eine Weile sitzen und sah einfach zu. Dann stand ich auf. Ein kühlerer Wind kam vom Fluss herüber. Der Abend war zu schön, um ihn im Taxi zu verlassen. Also begann ich zu gehen. Der Weg führte zunächst am Ufer der Donau entlang. Die schmale Straße war leer. Boote lagen träge an den Stegen und stießen gelegentlich gegen das Holz. Der Fluss bewegte sich neben mir, breit und gleichmäßig. Die Oberfläche kräuselte sich für einen Moment. Sein dunkles Wasser trug die letzten Spiegelungen des Himmels. Schließlich entfernte ich mich vom Ufer und ging zurück in die Stadt.
Nach einigen Gehminuten veränderte sich die Luft merklich. Die Wärme stand nicht mehr gleichmäßig zwischen den Mauern. Sie sammelte sich, als würde sie warten. Der Wind, der vom Fluss herübergekommen war, hatte sich gelegt. Über den Dächern lag ein matter Schleier. Das Licht verlor an Klarheit. Die Farben wurden stumpfer, als würden sie langsam zurückweichen. Ich ging weiter. Die Straßen lagen ruhig vor mir. In der Ferne lag ein dumpfes Grollen. Es war kaum zu hören. Eher ein großen Zittern, das sich nicht ganz greifen ließ. Andere Geräusche wirkten gedämpft. Sie blieben einfach in der Hitze stecken. Ich hatte das Gefühl, als würde etwas näher kommen, ohne sich zu zeigen. Alles schien in gespannter Erwartung.
Die ersten Tropfen fielen vereinzelt. Schwer und weit auseinander trafen sie auf den ausgedörrten Asphalt und blieben dort als dunkle, unregelmäßige Flecken zurück. Sie trafen meine Haut kühl und weich, fast zögernd, als gehörten sie noch nicht ganz hierher. Nach der Wärme des Tages wirkten sie fremd, beinahe vorsichtig, und doch blieben sie. Die Luft hatte sich verändert. Sie war dichter geworden, schwerer. Sie hielt den Regen, der sich noch nicht lösen wollte. Ich spürte sie auf der Haut, nah und unbeweglich. Der Geruch begann sich zu heben. Trockenheit, die aufbrach. Staub, der sich löste. Etwas Erdiges und Warmes, das langsam nach oben stieg und sich mit der Feuchtigkeit mischte, als würde der Boden selbst zu atmen beginnen. Ich sah zum Himmel. Die Wolken hatten sich zusammengeschoben, Schicht über Schicht. Tief und unbeweglich lagen sie über den Dächern. Das Licht fiel stumpf. Für einen Moment schien alles stillzustehen. Dann setzte der Regen ein. Er hatte sich schon eine Weile vorbereitet und wurde jetzt nur sichtbarer. Die Tropfen wurden dichter und gleichmäßiger. Das Geräusch auf dem Asphalt verband sich zu einem leisen, durchgehenden Rauschen. Ich beschleunigte meinen Schritt und stellte mich unter das große verzierte Vordach eines geschlossenen Ladens. Das Blech über mir nahm den Regen auf. Ein gleichmäßiges, weiches Trommeln setzte ein. Für einen Moment stand ich allein dort und sah hinaus auf die Straße, die sich veränderte. Dann trat neben mir jemand unter das Dach.
Sie blieb dicht am Rand stehen, etwas nach vorn gebeugt, den Rücken noch dem Regen zugewandt. Das Wasser lief in schmalen Linien über den Stoff ihrer Kleidung und tropfte von den Kanten herab. Für einen Moment bewegte sie sich nicht, als würde sie erst ankommen. Ich wich ein Stück zur Seite. Wir standen kurz schweigend nebeneinander. Ich sah sie an. Ich erkannte sie, noch bevor ich ihr Gesicht sehen konnte. An der Art, wie sie stand. An der leichten Drehung ihrer Schultern. An den Kleidern, die ich am Nachmittag schon einmal gesehen hatte, im gedämpften Licht des kleinen Parfümladens. Es war dieses leise Gefühl, etwas wiederzufinden, das noch nicht ganz greifbar war. Dann erreichte mich ihr Duft. Er lag nicht einfach in der Luft. Er war so nah, dass er sich eher auf der Haut abzeichnete als um uns herum. Eine leise Süße war darin. Fruchtig, gedämpft, als hätte er sich in den Abend zurückgezogen. Ihr Duft war weich, fast flüssig, und blieb einen Moment, bevor er sich veränderte. Ich roch etwas Ruhiges. Helles Holz entfaltete sich langsam. Darunter etwas Cremiges, das Ruhe ausstrahlte. Es legte sich unter alles andere und hielt es zusammen. Der Duft wurde dichter, je länger ich ihn wahrnahm. Etwas Rauchiges trat hervor. Nichts daran drängte sich auf. Alles blieb nah am Körper.
Der kleine Laden. Die gedämpfte Stille zwischen den Regalen. Die schmalen Papierstreifen in ihrer Hand. Und die langsamen, konzentrierten Bewegungen, mit der sie den Duft geprüft hatte. Und jetzt war er wieder da. Wärmer auf ihrer Haut. Ruhiger. Geschlossener. Als hätte er dort erst begonnen, wirklich zu werden.
„Sie haben es gekauft“, sagte ich.
Sie drehte den Kopf ein wenig zu mir, noch nicht ganz. Als würde sie erst prüfen, ob ich wirklich mit ihr sprach. Dann sah sie mich an. „Was meinen Sie?“ Ihre Stimme war ruhig. Leiser als nötig.
Ich ließ mir einen Moment Zeit. Nicht aus Unsicherheit. Eher, weil der Duft noch da war und ich ihn nicht gleich verlieren wollte. “Ihr Parfüm. Wir waren heute im selben Laden.”
Sie sah mich an, als würde sie den Satz erst einordnen. Für einen Moment lag etwas Fragendes in ihrem Blick. Leicht zurückgenommen. Sie schien zu prüfen, ob die Erinnerung wirklich zu mir gehörte. Dann veränderte sich etwas kaum Sichtbares. Es war ein kleines Nachgeben in ihrem Gesicht. Die Spannung löste sich. Und ein leichtes Lächeln trat hervor, noch zögernd, aber sicher. „Stimmt“, sagte sie. Jetzt war ihr Blick offener. Wärmer. Sie hielt ihn einen Moment länger, ohne auszuweichen. „Ich erinnere mich.“
Der Abstand zwischen uns schien kleiner geworden zu sein, ohne dass sich einer von uns bewegt hatte. Ihre Stimme wurde ruhiger. Selbstverständlicher. Als hätte sich etwas geklärt. Für einen Moment war es still. Aber es war nicht mehr dieselbe Stille wie zuvor.
„Und Sie…“, sagte sie. Sie neigte den Kopf ein wenig. Dann kam sie einen Hauch näher. Nah genug, dass der Raum zwischen uns sich veränderte. „Da ist auch etwas.“
Ihre Stimme war jetzt ruhiger. Fast beiläufig. Sie ließ den Blick einen Moment bei mir, als würde sie etwas nachverfolgen, das sich nicht sofort benennen ließ. „Es ist wärmer“, sagte sie leise. „Tiefer.“ Ein kurzer Moment. „Etwas Erdiges darunter.“ Sie schloss für einen Augenblick die Augen, kaum länger als ein Atemzug, als würde sie sich vergewissern. „Und etwas Dunkleres. Entschlossenes“, sagte sie. „Ganz am Rand.“ Als sie die Augen wieder öffnete, war da dieses leichte Lächeln. Ruhiger jetzt. Sicherer. „Es zeigt sich nicht sofort“, sagte sie. „Man muss ein wenig warten.“ Ein kaum merkliches Zögern. „Aber dann bleibt es.“
Sie schaute an mir vorbei hinaus in die Stadt. Der Regen ließ nach. Das Rauschen wurde dünner. Einzelne Tropfen lösten sich vom Rand des Dachs und fielen in unregelmäßigen Abständen auf den Asphalt.
Sie trat hinaus auf die nasse Straße. Sah kurz nach oben. Dann zu mir. „Das steht Ihnen“, sagte sie.
Ich hielt ihren Blick einen Moment länger fest. „Nicht ganz zufällig.“
Für eine kurze Zeit blieb sie noch stehen. Ihr Lächeln vertiefte sich kaum sichtbar. Dann ging sie los. Ihre Schritte wurden leiser, je weiter sie sich entfernte. Nach wenigen Augenblicken war sie Teil der Bewegung weiter vorne. Ich blieb noch einen Moment stehen. Dann trat ich ebenfalls hinaus und ging weiter.
Der Regen hatte bereits nachgelassen. Nur das leise Tropfen von den Dachkanten blieb zurück, ein unregelmäßiger Rhythmus, der sich zwischen die Geräusche der Straße legte. Die Luft war warm und feucht zugleich. Sie trug einen frischen, kühlen Geruch in sich. Auf dem Pflaster sammelte sich das Wasser in flachen Pfützen. Hier und da begann der Boden schon wieder zu trocknen. Ein schwacher Luftzug strich durch die Gasse und ließ die Feuchtigkeit auf der Haut spürbar werden, bevor auch er wieder verschwand.
Die Straßen wurden enger. Häuser rückten näher zusammen. Die Altstadt lag nun ganz im warmen Zwielicht des Sommerabends. Menschen strömten, dicht beieinander, aus Cafés und Bars. Sie schritten über das Pflaster, ihre Schritte ruhig, ihre Bewegungen leicht. Stimmen mischten sich mit dem Klirren von Gläsern. Irgendwo wurde gelacht. Lampen hingen zwischen den Fassaden und tauchten alles in ein weiches Licht. Musik drang aus offenen Türen. Die Hitze des Tages war trotz des Regens noch leicht in den Mauern gespeichert und strahlte langsam zurück in die Nacht. Ich setzte meinen Weg durch die verschlungenen Gassen fort, ließ mich treiben zwischen Laternen, Stimmen und warmem Stein. Immer wieder blieb ich stehen und schaute zurück.
Beograd atmete langsam in die Nacht. Die Dunkelheit hatte die Stadt nun vollständig in sich aufgenommen und lag behutsam auf den Dächern. Der Abend glitt langsam hinüber. Er begrüßte die Nacht sanft mit einem Lächeln, wissend, sie am nächsten Tag wiederzusehen. Und nur erahnend, welche Geheimnisse ihre Augen in den kommenden Stunden erblicken würden, um sie später weiterzutragen.


